Versteckte Effekte beim Boss SE-50

Im kleinen Homerecordingstudio ist die Peripherie meist zweitrangig. Man baut üblicherweise zuerst auf Klangerzeuger, während Dinge wie Effektgeräte außen vor bleiben oder nur in geringer Anzahl vorhanden sind. Trotzdem wünscht man sich gelegentlich auch Features, die das eigene Effektgerät scheinbar nicht bietet.

Das schon etwas betagte aber nichtsdestotrotz recht beliebte Boss SE-50 bietet beispielsweise Möglichkeiten, die auf den ersten Blick nicht gerade offensichtlich sind. Seine Struktur gibt 28 feste Algorithmen vor und benennt diese nach den wichtigsten Einsatzzwecken. Oft wird jedoch außer Acht gelassen, dass manche Algorithmen aus Effektketten aufgebaut sind, deren Bestandteile interessante Möglichkeiten bieten, ohne dass diese explizit genannt werden.

Ist man z.B. nicht mit allzu modulationsfreudigen Klangerzeugern "gesegnet", fehlt oft ein Stereo-Panning. Dieser Effekt taucht beim SE-50 "offiziell" nirgends auf, ist jedoch im Algorithmus Nr. 20 ("Rhodes") enthalten. Schaltet man dort die übrigen Effekte der Kette ab, kann man das Panning als Einzeleffekt nutzen. Dieses bietet dann auch die wichtigsten Parameter, z.B. Wellenform und Geschwindigkeit des LFO, mit denen man den Effekt an den eigenen Geschmack und das Tempo des Songs anpassen kann. Zusätzlich bietet dieser Algorithmus sogar einen MIDI-Controller, mit dem Geschwindigkeit oder Stärke des Pannings in Echtzeit moduliert und so z.B. Tempowechseln angepaßt werden kann.

Bleiben wir noch kurz beim "Rhodes"-Algorithmus. Dieser beinhaltet nämlich auch noch einen 3-Band-Equalizer mit parametrischen Mitten, was in Ermangelung professioneller Peripherie auch mal in der Summe eingesetzt werden kann. Ebenso verhält es sich mit dem hier vorhandenen Noise Suppressor, der ein regelbares Noise Gate zur Unterdrückung von Rauschen in Signalpausen darstellt. Er ist den Unterdrückern in den Vocoder- und Rotary-Algorithmen (Nr. 16 und 17) vorzuziehen, weil er neben einem Threshold auch Release- und Level-Parameter bietet. Die Besonderheit ist hier, dass der Suppressor nicht als eigener Effekt in der Kette ein- oder ausgeschaltet werden kann. Er befindet sich immer im Signalweg. Will man ihn alleine nutzen, müssen alle anderen Effekte in der Kette ausgeschaltet werden.

Sehr ergiebig ist auch "Guitar Multi" (121). Er kann als Compressor, Equalizer und Noise Gate mißbraucht werden und bietet zusätzlich eine Amp-Simulation, die den Sound etwas andickt.

Zum Verdeutlichen der Möglichkeiten habe ich für jeden Effekt ein Effektprogramm kreiert, das in den SE-50 per SysEx-Dump geladen werden kann. Die Programme belegen die hinteren fünf Positionen des RAM-Speichers (Nr. 95 - 100). Dort vorhandene Eigenkreationen müssen also vorher gesichert werden. Ein Klick lädt die Datei im SYX-Format / SMF herunter (ZIP-gepackt, ca. 0.9 KByte)!