Kopfhörermixes mit dem Behringer MX8000A

(mit freundlicher Genehmigung von Jezar)

Das Behringer MX8000A Recording-Mischpult ist ein fantastisches Teil mit unglaublich sauberem Klang. Wie man allerdings flexible Kopfhörermixes hinbekommt, ist eine ganz andere Geschichte... In dieser Beziehung ist das Handbuch wirklich ein hoffnungsloser Fall, angefüllt mit hanebüchenen Workarounds, die kein professioneller Soundspezialist auch nur mit einem Stock anfassen würde.
Das Pult ist ein Mackie-8-Bus-Clone, und Mackie stellt seine Handbücher im Netz zum Download bereit, aber nicht einmal die können einem vermitteln, was der Designer sich bei der Entwicklung der Kopfhörer-Schaltungen gedacht hat.
Nach einigem Nachdenken und Experimentieren glaube ich, es herausgefunden zu haben. Ich habe dieses Material auch an Behringer geschickt in der Hoffnung, dass es eines Tages Aufnahme in die Handbücher findet. Im Folgenden versuche ich mich also im Prinzip an einer Anleitung, wie man als Recording-Künstler mit dem MX8000 professionelle, flexible Stereo-Kopfhörermixes erstellt. Ich greife selbst immer wieder auf diesen Text zurück, weil ich mir selber nie merken kann, wie es geht.

Effekte während der Aufnahme

Fährt man das Pult im konventionellen "Aufnahme-Modus" (also unter Ausnutzung der Mix-B Kanäle zum Abhören der Tape Returns), sind die Aux Sends 3,4,5 und 6 normalerweise für Effekte reserviert (die Sends 1 und 2 können nicht zusammen mit den Mix-B Kanälen genutzt werden), wobei die Sends 3 und 4 vielleicht für kurze bzw. lange Reverbs und die Sends 5 und 6 z.B. für Chorus und einen moderaten Reverb benutzt werden. Wenn Sie nicht noch ein Hallgerät auf Send 6 verwenden wollen, können Sie Send 6 dazu benutzen, das gleiche Hallgerät wie Send 3 oder 4 anzusteuern, entweder indem Sie Send 6 in den zweiten Eingang der Effekteinheit stöpseln (viele Hallgeräte führen beide Eingänge zu einem Monomix zusammen, obwohl sie einen Stereoausgang besitzen), oder durch Rückführung von Send 6 in einen freien Eingang des Mischpultes, bei dem Sie dann Send 3 oder 4 aktivieren und deren Gain anpassen. Mit beiden Methoden behalten Sie bei der Mehrzahl der Tape Returns die volle Kontrolle über den Reverb und haben immer noch einen Hall für die Spuren, die einen zusätzlichen Chorus oder andere Effekte benötigen.

Erstellung von einem oder zwei unabhängigen Stereo-Kopfhörermixes

Wenn bei der Aufnahme die Sends 3 bis 6 den Effekten zugeordnet sind, ist es normalerweise am einfachsten, den Monitormix im Regieraum als Köpfhörermischung für die Musiker zu verwenden. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, den Monitormix ein bisschen anzupassen, sodass er auch den Musikern behagt, dann reicht diese Vorgehensweise völlig aus.

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Musikern Ihren Monitormix aufs Auge zu drücken:

Die erste Methode wäre, einfach den Control Room Button (S77 und/oder S89) in der Kopfhörersektion gedrückt zu lassen. Somit wird gewährleistet, dass die Musiker das gleiche hören wie Sie. Denken Sie daran, dass die Returns 3 und 4 nicht separat auf die Köpfhörersektion gelegt werden müssen (S55, S56, S68 und S69 sollten allesamt auf OFF stehen), wenn sie bereits auf dem Main Mix Ausgang liegen (normalerweise ist das so). Ansonsten würden die Kopfhörer die Effektsignale zweimal empfangen und damit doppelt so viel Effektanteile ausgeben wie der Main Mix.

Die zweite Möglichkeit ist, den Musikern Monitormix und die Hall-Returns separat zu schicken, indem man die MIX-B-Kanäle als Kopfhörer-Quelle (S76 oder S88) auswählt und sie mit den Hall-Returns 3 und 4 beschickt (S55, S56, S68 und S69). Wenn Sie weitere Effektreturns auf die Köpfhörer legen wollen, können diese über die Mix-B-Fader auf den Monitormix geroutet werden, indem Sie die Line-Eingänge benutzen und in diesen Kanälen den entsprechenden Umschalter drücken (S3 auf ON).

Das Problem mit der ersten Methode besteht darin, dass Sie im Regieraum nicht beliebig herumfuhrwerken können, ohne die Musiker bei ihrem Job zu stören. Wenn Sie z.B. einen Kanal mit der Solo-Funktion des Behringer abhören möchten, kommen die Musiker ebenfalls in den Genuss der Soloschaltung - das ist vor Allem dann katastrophal, wenn Sie während der Aufnahme einzelne Spuren auf deren Klangeigenschaften oder Lautstärke abklopfen wollen. Außerdem werden Sie daran gehindert, das Tape-Playback (2 Track Playback) anzuwählen, ohne den Künstler zu stören. Gerade das wäre aber nützlich, wenn die Musiker einfach eine Loop begleiten und üben möchten, während Sie etwas anderes tun. Wenn Sie jedoch einen separaten Kopfhörer-Verstärker benutzen und ihn mit dem Stereo-Ausgang des Pultes beschicken, können Sie nach Belieben auf Solo schalten oder externe Quellen abhören.

Natürlich macht die erste Methode nur dann Sinn, wenn Sie sicher sind, dass den Musikern Ihr Regieraum-Mix auch passt. Da ist die zweite Methode schon viel flexibler. Selbst ohne gesonderten Kopfhörer-Verstärker können Sie jeden Kanal im Regieraum abhören, ohne dabei den Kopfhörerausgang zu beschicken. Auch können Sie beliebige Kanäle einzeln abhören oder - und das ist besonders interessant - Sie können Kanäle aus dem Kopfhörermix nehmen oder welche dazunehmen, ohne dass sich Ihr Regieraum-Mix verändert.

Um einen Kanal aus dem Kopfhörermix zu nehmen, schalten Sie am besten per S03 um, weisen den Kanalfader dem Main Mix zu und passen dann EQ, Lautstärke und Panorama an die Einstellungen von Mix-B an. Vergessen Sie nicht, auch die Eingangsquellen für die Sends 3, 4, 5 und 6 umzuschalten, sonst werden Sie keine Effekte hören. Das Ganze stellt dann auch den Mix-B-Kanal als Line-Input zur Verfügung. Dieser kann gleichermaßen auf Kopfhörerausgang und den Monitormix geroutet werden.

Jetzt können Sie den Kanalfader für Ihren persönlichen Monitormix dieser Spur verwenden. Ganz egal, welche Lautstärke Sie einstellen - im Kopfhörer ist davon nichts zu hören.

Um einen Track auf die Kopfhörer zu legen, ohne Ihren eigenen Monitormix zu beeinflussen, sollten Sie ihn zunächst wie oben beschrieben aus dem Kopfhörermix heraus nehmen. Dann stöpseln Sie die Aux Send Master 1 und 2 in einen externen Eingang und stellen sicher, dass auch Mix-B in der Kopfhörersektion auf extern gestellt ist.

Da das Tape Monitor Signal dieser Spur jetzt auf dem Main Channel Fader liegt, können Sie die Sends 1 und 2 auf Pre-Fader stellen und deren Lautstärke im Kopfhörer unabhängig regeln. Sie können das für beliebig viele Kanäle tun, vorausgesetzt, Sie brauchen den Main Channel nicht für Aufnahmen oder Ähnliches.

Seien Sie aber vorsichtig mit den Return-Levels für die Effekte auf diesem Kanal. Die Effekt-Returns sind nämlich im Kopfhörer immer noch hörbar, und wahrscheinlich würde es die Musiker ablenken, wenn Sie Ihren Monitormix auf einzelnen Kanälen zu drastisch ändern würden, weil damit natürlich auch die Effektlautstärken stark variieren. Möglicherweise müssen Sie sich diese Spuren sogar trocken anhören, um dieses Problem zu umgehen. Alternativ können Sie die Effekt-Sends dieser Kanäle aber auch pre-fader schalten, um die Effektlautstärken immer konstant zu halten.

Sollten die Musiker dann aber doch einmal mehr (oder weniger) Effekte hören wollen als Sie, können Sie die erforderlichen Returns auf die Line Inputs legen, die dann für den Regieraum-Mix auf den Mix-Bus geroutet werden. Nutzen Sie dann die pre-fader Sends 1 und 2, um die von den Musikern gewünschte Lautstärke für die Effektreturns einzustellen, ohne dass sich Ihr eigener Monitormix ändert.

Natürlich ist es auch möglich, eine Kombination beider Methoden der Kopfhörerabmischung anzuwenden, um zwei völlig unabhängige Mixes für unterschiedliche Ansprüche zur Verfügung zu stellen, z.B. wenn mehrere Musiker gleichzeitig spielen oder singen, und das ohne die Effektsends 3, 4, 5 und 6 zu opfern.

Drei oder vier unabhängige Kopfhörer-Mixes

Wenn Sie einmal weniger als die 24 Eingangskanäle brauchen (z.B. bei typischen Live-Sessions im Studio, wo alle Musiker ohne Overdubs direkt auf das Pult spielen) und die Tape Return Kanäle zum Abhören verwenden, dann können Sie deutlich flexibler mit Kopfhörern arbeiten. Sie hätten dann bis zu vier unabhängige Kopfhörermixes zur Verfügung, wobei immer noch Send-Kanäle für zwei getrennte Effektwege vorhanden wären. Außerdem können Sie dann SOLO/PFL benutzen oder im Regieraum den 2-Track-Eingang abhören, ohne die Musiker zu behelligen.

Bei dieser Konfiguration wird der Mix-B-Bus nicht für das Monitoring verwendet (der Assign-to-Mix-Schalter muss also auf OFF stehen), sondern dient als zwei Effekt-Sends, z.B. mit einem kurzen Hall auf Send 7 (linker Mix-B-Ausgang) und einem langen Hall auf Send 8 (rechter Mix-B-Ausgang). Der Panorama-Poti der Mix-B-Kanäle regelt dann die Überblendung von kurzem und langem Hall (bzw. anderer Effekte), während der Lautstärkeregler die Gesamtlautstärke der Effekte kontrolliert. Die Effekte können entweder über die normalen Returns 3 und 4 zurück geführt werden (man kann sie dann auf drei der vier Kopfhörermixes legen), oder man schleift sie stattdessen über die regulären Line-Inputs ein, was ein fortgeschritteneres Routing erlaubt.

Nachdem Sie den grundlegenden Monitormix auf die Hauptkanäle gelegt haben (wobei Mix-B als Effektsend fungiert - s.o.), können Sie sich an den ersten Kopfhörermix machen.

Kopfhörermix 1 entsteht durch die Zusammenlegung der Sends 1 und 2 (pre Fader!) zu einem Stereopaar und das Einschleifen der Master Send Ausgänge in externe Eingänge. Wenn Sie drei oder mehr Mixes erstellen wollen, müssen Sie die Ausgänge von Send 1 und 2 auf separate Kopfhörerverstärker aufteilen. Wenn gewünscht, kann der Mix während der Vorbereitungen zeitweise auch über jeden der Kopfhörer-Master abgehört werden. Am Ende sollen diese jedoch für die Mixes 3 und 4 genutzt werden.

Mix 1 ist der Basismix, der typischerweise aus Drums, Bass und einem bisschen von allem Anderen besteht.

Mix 2 wird über die Sends 3 und 4 (pre Fader) erstellt und soll Mix 1 zusätzliche Instrumente hinzufügen können. Er wird über beide Stereo Master Kanäle den Kopfhörern zugeführt, indem man sowohl die externen Signale, als auch die Sends 3 und 4 als Abhörquellen definiert. Auch sollten Sie über den Schalter S?? in den Effekt-Returns 3 und 4 die zugehörigen Effekte auf den Kopfhörermix routen.

Mix 3 wird genauso vorbereitet wie Mix 2, außer, dass die Sends 5 und 6 benutzt werden.

Mix 4 besteht im Prinzip aus Ihrem eigenen Monitormix, da Sie einen Kopfhörerverstärker hinter den Stereoausgang des Pultes hängen. Er ist mit Ihrem Monitormix identisch, außer dass er nicht von der SOLO-Schaltung oder anderen Quellen beeinflusst wird. Da dies doch ein eher unkonventionelles Setup ist, gibt es einige Einschränkungen. Alles, was Kopfhörermix 1 beinhaltet, geht so auch auf die Mixes 2 und 3. Andersherum ist es genauso: Wenn die Musiker 2 und 3 im Kopfhörer einen bestimmten Track lauter haben wollen, kann dies nur über die Einstellungen für Mix 1 gewährleistet werden, weil die Aux Sends 3 und 4 nicht gleichzeitig mit den Sends 5 und 6 auf dem gleichen Kanal verwendet werden können, d.h. der Track muss über die Sends 1 und 2 auf die Kopfhörer geschickt werden.

In der Praxis ist das aber selten ein Problem. Mix 1 wird normalerweise einem Schlagzeuger und/oder Bassisten gegeben, und die wollen meist Drums, Bass und ein bisschen vom Rest hören. Die Mixe 2 und 3 gehen dann z.B. an Gitarristen und Keyboarder, die im Prinzip ebenfalls Mix 1 hören wollen, nur eben mit anderen Lautstärkeverhältnissen (sich selbst am lautesten ;). Mix 4, der von den anderen dreien unabhängig ist, geht normalerweise an den Sänger, der alle anderen Instrumente in guter Mischung hören möchte, um ein gutes Ergebnis abzuliefern.

Falls einmal völlige Unabhängigkeit für alle Kopfhörermischungen nötig wird, sollte ich als Variation zum oben Gesagten anmerken, dass man drei oder vier separate Mischungen erstellen kann, indem man die Sends 1 und 2 pre Fader verwendet, um einen unabhängigen Mix zu kreieren. Hinzu kämen die Sends 3 und 4 (pre Fader), die einen zweiten separaten Mix liefern und ein dritter Mix, der als identische Kopie vom Regieraum-Monitormix vorliegt. Einer der Kopfhörer-Master wird benutzt, um den Mix unter Verwendung des Schalters "External Input" (S??) von den Sends 1 und 2 zu schicken. Gleiches gilt für den zweiten Kopfhörer-Master mit den Sends 3 und 4 und den Buttons S??/S??. Der dritte Mix stammt schließlich aus dem Stereoausgang des Pultes, dessen Signal an einen Kopfhörerverstärker geht.