Rezension

Blue

Fox Robert & Wright, David

2000 CD-Box 37 Tracks
★★★★½ 8.5/10 (6 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Frank Korf verfasst am 5. Februar 2001 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).

An CD-Boxen hat es in der Elektronischen Musik in der vergangenen Zeit ja wahrlich nicht gemangelt. Auch die Briten wollen sich da offenbar nicht lumpen lassen, deshalb schließen sich gleich zwei von ihnen zusammen, damit's - manch deutscher Elektroniker mag da müde lächeln -wenigstens für eine 4er-Box langt: Blue heißt die Box von Robert Fox und David Wright. Limitiert - klar, auch das gehört dazu - ist die Auflage auf 2000 Stück. Und natürlich handsigniert.

CD 1 ist eine Solo-CD von Robert Fox: Die Musik zu The Stuff of Dreams entstand 1998 und sollte eigentlich eine Doppel-CD werden. Wegen des anhaltenden Erfolgs von Roberts 97er Meisterwerk Into the Light wurde die Veröffentlichung jedoch verzögert, schließlich war schon die Nachfolge-Scheibe Talking Heads fertig. 2000 wurde The Stuff of Dreams noch einmal überarbeitet und schrumpfte zu einer einfachen CD zusammen, die nun im Rahmen dieser Box veröffentlicht wurde.
Wenn man die Musik von Robert Fox kennt, bietet The Stuff of Dreams keine großen Überraschungen, keine neuen Impulse. Die gewohnten breiten Sounds, das markante Piano, auch das Saxophon aus Into the Light ist wieder mit dabei. Alles nicht schlecht, hat man aber alles auch irgendwie schon mal gehört. Die Scheibe reicht nicht an den Nachfolger Talking Heads und schon gar nicht an den Vorgänger Into the Light heran.
Am besten gefällt mir noch Heaven's Gate: Neben einer ruhigen, aber eingängigen Melodie prägen sakrale Gesänge im Hintergrund die Stimmung dieses Titels - letztere begegnen einem auf den folgenden Scheiben aber noch öfter.

Auch David Wright kann mit einem "verlorenen" Album aufwarten: Bei dem Versuch, die "Hypnonis"-Konzert für eine CD aufzuarbeiten entstand eine komplett neue CD, die nicht mehr viel mit der Original-Musik zu tun hat. Nun liegt The Hypnosis Concert als CD 2 der Blue-Box bei.
Die Musik von David Wright war mit bislang nicht so bekannt, und so ist diese CD für mich eine positive Überraschung - The Hypnosis Concert ist für meinen Geschmack die beste CD der Box. Die Musik ist unaufdringlich, ruhig, entspannt, verleitet aber doch zum Zuhören.

Auf CD 3, Blue, der Titel-CD sozusagen gibt's Robert und David dann im Doppel. Die CD besteht aus zwei Teilen:
Der erste, größere Teil besteht aus drei Titeln aus den Jahren 1993/94. Track 1, Meeting at Trevalyn, erschien 1995 bereits schon einmal auf einem AD-Sampler. Die Musik erinnert sehr stark an die früheren CDs von Robert Fox, etwa aus der Zeit der Blue Mountains Suite.
Es folgen dann noch Blue Part 1 - 4, die im Rahmen einer neuerlichen Zusammenarbeit im Jahre 2000 entstanden sind. Blue 3 fällt dabei aus dem Rahmen, weil er der einzige Titel ist, in dem man nicht überdeutlich die Handschrift von Robert Fox erkennen kann.

Nun gibt's da noch so eine Combo namens Code Indigo, in der neben Vaugh Evans und Andy Lobhan auch David Wright und Robert Fox mitspielen. Bei CD 4 handelt es sich um The Derby Cathedral Concert eben jener Gruppe aus dem Jahre 1998. Einige Ideen aus diesem Konzert wurden in der 99er-CD Uforia verarbeitet. Aber auch Hörer, die nur CI-Debut-CD For Whom The Bell kennen, stellt sich das ein oder andere Deja-Vu ein: Die Teile 11, 14 und 16 aus FWTB waren auch Bestandteil des Derby-Konzerts und finden sich somit auf dieser CD wieder. Was die Musik aber nicht schlechter macht.

Wer weder Robert Fox noch David Wright kennt wird wohl kaum geneigt sein, das Geld für die Box auszugeben. Gerade für Fans von Fox und/oder Wright ist diese Box aber sicherlich interessant - wenn auch nicht unbedingt ein "must have".