Rezension
Dineuser
Das auf dem kulinarisch exquisitem Frankfurter Leckerbissenlabel Elektrolux erschienene Album verbindet nämlich ziemlich genau die Tugenden der alten Meister mit modernen Ansätzen und Arrangements. Hier werden Jünger spacig anmutender Wegfliegelektronik genauso bedient wie ambitionierte Homelistener und verspielte Technikfreaks. Man könnte das wohl als Ambient umschreiben, was Herr Soehngen uns auf dem tiefblauen Teller serviert. Aber bitte als Ambient ohne die übliche Schwere, denn trotz aller melancholischen und sich im Gehörgang verbeissende Melodien kommt eine gewisse Coolness und eine kleine Nuance augenzwinkernden Humors dazu: Als Beispiel sei hier der erste Track genannt (K-Set, 1:00), in welchem mit einem Kassettendeck hurtig herumgespult wird, um den Anfang von Track 2 zu finden...
Überhaupt verbinden trotz der obligatorischen klassichen Schwebepads viele Stücke neue Spielereien mit wohlarrangierten und unkonventionellen Beatspuren und manchmal sogar Soundeffekten. Als absoluter Pflichtanspieltip muss hier Stück 7 - "Pont De Trevignon" dreimal unterstrichen in den Sand gemalt werden (aber bitte so, dass die Wellen nicht drüberwegspülen!). Auch "Aquatisiert" (Stück 10) hält, was es verspricht: Wer jemals allein vor seiner HiFi-Anlage im Dunkeln sich diese beatlose audiophile Seelenhafenrundfahrt unternommen hat, weiss das gute Gefühl zu schätzen, dass sich das Album in seinem Schrank befindet.
Insgesamt ist Soehngenetics Musik ein durchweg gelungenes Konglomerat aus Traditionen und Möglichkeiten der elektronischen Musik ohne den erzwungenen Ernst alter tomitanischer Schlösser und ohne dem brachialen avangardischtischen Irgendwas völliger Aufhebung jeglicher Struktur.
Fazit: Das hat gemundet, da capo, Herr Soehngen!