Rezension
more loops
Entstanden sind die Titel bei Konzerten in Wesel, in Kassel und einer Session in Mario Schönwälders Wohnzimmer.
Los geht's mit ronda, entstanden beim Konzert in Wesel: Raughi Ebert, ein Flamenco-Guitarrist, gesellte sich zu dem Duo. Die Improvisation, die auf DAT festgehalten wurde, gefiel ihnen beim späteren Anhören so gut, daß sie den Weg auf die CD fand. Und schlecht ist der Titel eigentlich nicht: Düstere Flächen und Flamenco-Guitarre ist zumindest eine Kombination, von der ich nicht wüßte, daß es sie in der EM schon einmal gegeben hat. Mit 5:07 Minuten ist der Titel auch was die Spielzeit anbelangt Außenseiter auf dieser CD.
Weiter geht's mit lost in time, aufgenommen im Chill-Out-Bereich einer Kasseler Discothek irgendwann mitten in der Nach. An diesem Titel dürften sich die Geister scheiden. Eigentlich ist das nicht die Art Musik, die ich besonders gerne höre. Meine erste Begegnung mit diesem Titel resultierte dann auch im Auslösen der Skip-Taste des CD-Players, die zweite verlief nicht viel anders. Bis, ja bis ich mich irgendwann mal ruhig hingelegt habe, den Kopfhörer aufgesetzt habe, die Anlage aufgedreht habe und mir diesen Titel mal in Ruhe zu Gemüte geführt habe. Seit dem ist das mein absoluter Lieblingstitel auf dieser CD und vielleicht sogar von Keller/Schönwälder überhaupt. lost in time ist sehr ruhig, ambient-mäßig, überwiegend Flächen mit nur wenigen Änderungen in der Tonhöhe. In den fast 23 Minuten passiert eigentlich nicht viel. Aber die Musik hat was - was, kann ich gar nicht so genau sagen. Auf irgendeine Weise ist der Titel schlicht genial. k&s haben diesen Titel übrigens ks gewidmet.
Die übrigen Titel enstammen alle der "livingroom-session". Da wäre zunächst mal beam me up, meine Nummer 2 auf dieser Scheibe. So eine Art Reggae-Rhythmus dominiert diesen Titel. Klingt interessant.
rho choronae borealis ist wieder in der Art von lost in time, kommt aber an diesen Titel nicht ran. Wie beam me up geht er fast über 14 Minuten.
Den Abschluß bilden die ambient tales, vielleicht der "normalste" Titel aus Sicht des Schwingi-Normal-Fans. 18 Minuten Klavierspiel, Flächen, ein paar Sequenzerläufe. Im Prinzip nichts außergewöhnliches, aber die Stimmung ist sehr angenehm.
Keller/Schönwälder-Fans - besonders Keller-Fans - könnten von dieser CD enttäuscht sein. Es ist nicht die Musik von loops & beats und auch nicht die vom Huizen-Konzert. Ich kann auch gar nicht empfehlen, einfach mal kurz rein zu hören - diese CD muß man in Ruhe hören, sonst wird man sie nicht mögen. Also: Mut zum Risiko - kaufen, drauf abfahren oder sie im Regal verstauben lassen. :-)
Ob man die Musik nun mag oder nicht, eines muß man Detlef Keller & Mario Schönwälder lassen: Sie betreten mit dieser CD (zumindest von Szene-Musikern) weniger ausgetretene Pfade.