Rezension

Messages from Space

Lunaar

1998 CD 10 Tracks 54:49
Diese Rezension wurde von Magnus verfasst und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Ein neuer Stern am Musikhimmel ? Nein, ein neuer Mond !

LUNAAR hatte seinen ersten Auftritt - und auch noch als Opener - auf unserer Grillfete im Grugapark. (Grillfete des Schwingungen-Clubs. Anm. der Redaktion) Mich hat er sofort begeistert mit seiner durchweg rhythmus-betonten Musik. Trotz "Live"-Schlagzeug (sieh' an: Mario Becker) kam aber die treibende Kraft nicht von dort, sondern aus den abwechslungsreichen Melodien und Themen. Eine Musik, die mitreißt, in die Beine geht und Lust auf mehr macht. Für mich hätte er auch etwas lauter spielen können - besonders im Vergleich mit den anderen Musikern (Bernd Scholl, DemoArt). Aber vielleicht hebt er sich das für ein Indoor-Konzert auf. Lunaar läßt sich wohl am besten mit Brainwork, Interface oder den schnelleren Stücken von Stefan Erbe vergleichen. Aber man erkennt auch den eigenen Stil, wobei mir persönlich noch ein paar markante Punkte fehlen - manchmal fließt es etwas zu easy dahin. Aber als Debut: Hut ab, und mach' weiter so! Ich denke, von Lunaar dürfen wir noch einiges erwarten. Wer seinen Musikgeschmack in der Trance-/Techno-verwandten Sparte der E.M. gefunden hat, liegt mit dieser CD genau richtig.

Kein Wunder, daß die CDs, die er mitgebracht hatte, recht gut weggingen. Nur mit Glück konnte ich noch die vorletzte erwischen. Bereits beim Konzert war ich entschlossen, mal wieder 'ne Kritik zu schreiben, und jetzt läuft die CD bei mir eine Ehrenrunde nach der n&aumml;chsten. Die CD-ROM hat eine Gesamtlänge von (leider nur) 54:49 Minuten und enthält 10 Stücke. Zu beziehen ist sie wahrscheinlich bei Lunaar = Dirk Scussel direkt sowie über Thomas Broich ("Art of Sound"). Ich hoffe, daß auch ein paar der vielen Bürgerfunker auf der Grillfete zugegriffen haben und die CD in ihren Sendungen vorstellen (und bitte nicht nur einmal - dafür ist sie zu gut).

Part 1: A message from space - 8:43
Nach einem sanften Herniederschweben setzt die "Message" mit einem flotter Rhythmus ein. Das Stück erinnert etwas an Brainwork, eingängige Melodien, aber durch abwechselnde Themenvariationen wird es nie langweilig - im Gegenteil: immer interessanter. Leider am Ende nur eine Industrieblende - ein prägnanter Schlußpunkt wäre besser.

Part 2: Lunaar's theme - 6:32
Er spielt mit Rhythmen und Wechseln zwischen kantigen und weichen Melodien ... mir zuckt's in den Beinen ... fast schon zu Ende legt er noch mal einen drauf ! Ein tolles persönliches Thema.

Part 3: Mini Cluster - 4:27
Im gleichen Rhythmus wie Nr. 2 - interessante Instrumentierung ! Von Keller & Schönwälder ist man ja extrem lange Stücke gewöhnt - hier hätte Lunaar den Titel ruhig mal etwas mehr "auswalzen" können und einen "Maxi-Cluster" daraus machen sollen.

Part 4: Talking with myself - 4:44
Ruhige Melodieführung, komplexer Sound, gut durchdachte Instrumentierung. Nur das Ende - obwohl prägnant - kommt etwas zu plötzlich ... Ja, ich weiß - oben (bei Nr. 1) habe ich gerade so etwas gefordert, aber ...

Part 5: A piece of silence - 5:43
Lockeres Easy-Listening-Stück, swingender Rhythmus, das können andere auch - zwar nicht besser, aber je nach Promoting wird's bekannter... Trotzdem - mir gefällt's, besonders die Klavier-Passagen ! Aber wieder das Ende: etwas unbefriedigend.

Part 6: Ignition - 5:07
Hier fühlte ich mich - fast von ersten Ton an Stefan Erbe erinnert. Lunaar hat eine flotte Melodie mit eingängigem Rhythmus unterlegt, abwechslungsreiche Passagen erzeugen ein interessantes Musikstück, das wiederum zum Abzappeln animiert.

Part 7: Interminable - 4:17
Ähnlich wie Nr. 5 locker gestrickt, mit einfallsreicher Melodieführung, fast ist man verleitet zu sagen: "kommerziell" - aber im positiven Sinn. Hier fällt auf, daß Lunaar nie eine kurze Melodienfolge in Varianten wiederholt, sondern sie weiterentwickelt. Fast zu schnell ist das Stück zu Ende.

Part 8: Sunfloating û 4:18
Ich habe da etwas Schwierigkeiten, Lunaars Titelwahl nachzuvollziehen ... hier fällt es mir besonders auf: ich hatte eigentlich ein ruhiges, spaciges Flie˜en erwartet - aber ich kenne ja die Entstehungsgeschichte der einzelnen Stücke nicht. Jedenfalls bleibt er seinem Stil treu, einen flotten Sound mit durchdachten Melodien zu verbinden. Hier zeigt er, was man mit klaren Klavierklängen alles zaubern kann.

Part 9: Broken dreams - 5:28
Und hier kommt es doch noch, das Stück zum Abheben und Schweben: zur Abwechslung mal `was ruhiges. Mit leicht exotischen Sounds, die etwas an Burkhard Schmidl, Andreas Leifeld oder Cusco erinnern. Aber auch hier steigt dann noch eine antreibende Percussion ein.

Part 10: Destination of mine - 5:26 Zum Abschluß wieder ein Techno-orientiertes Stück, das aber, wie die gesamte CD, nicht durch wummernde Drums beherrscht wird. Ganz im Gegenteil: gerade die Percussion setzt Lunaar mit viel Fingerspitzengefühl sehr vorsichtig und nur rhyrthmus-unterstützend ein.

Alles in allem: eine CD aus einem Guß - für mich durchgehend auf sehr gutem Niveau - mit einigen Sahnestücken, die auf mehr hoffen lassen.