Rezension

FFG Vol.II

Forum Freaks Group

2000 CD 28 Tracks
★★★½☆ 6.8/10 (5 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Christian Baum verfasst am 29. April 2000 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Endlich ist sie da - die lange erwartete zweite CD der Forum Freaks Group, einem Zusammenschluss von Lesern des Keyboards-Forums. Schon die erste Doppel-CD wusste mit überraschender Bandbreite und Klangqualität zu überzeugen, da durfte man auf das Nachfolgewerk umso gespannter sein... und das Warten hat sich gelohnt!

Zunächst einmal fällt das Design von Cover und Booklet ins Auge. Während FFG Vol.I hier noch etwas verspielt und inkohärent wirkte, hat man dieses Mal auf eine saubere und seriösere Präsentation bei einheitlichem und dezentem Look geachtet. Zu jedem Künstler gibt es zumindest eine Kontaktadresse, oft ergänzt durch Fotos, Logos und Anmerkungen zum Stück.
Musikalisch wird auch bei Vol.II die komplette Bandbreite elektronisch produzierter Musik geboten. Minimalelektronik findet sich ebenso wie alle Spielarten kommerzieller Couleur (Dance, traditionelle Einschläge, Techno, Electro, Drum'n Bass), eher schwer verdaulicher Underground und Pop-Etüden mit Gesang. Die Zusammenstellung ist größtenteils geschmackvoll, sodass man nicht ständig skippen muss, wenn einem ein Stilsprung zu sehr missfällt.
Auffällig finde ich die durchgehend gute Klangqualität. Was hier aus so genannten "Heimstudios" tönt, kann sich meist auch mit kommerzieller Radioware problemlos messen. Der Sound ist größten Teils klar und druckvoll. Schwierigkeiten scheint jedoch immer noch der Gesang zu bereiten. Hier hört man zwar ausgefeilte Vokal-Arrangements und gute (bis mutige ;) Stimmen, aber auf diesem Gebiet scheint ein großes Studio doch noch Equipment-Vorteile zu haben - da poppt schon mal die Membran. Hin und wieder sorgen verschiedene Mastering-Techniken für Lautstärkesprünge, aber das ist zu verkraften. Dennoch könnte man sich fürs nächste Mal eventuell ein einheitliches Mastering für die ganze CD überlegen - das aber nur nebenbei.

Genug der Technik, hier meine Anspieltipps:

CD-1 Track 3: "Lumiglobe" von Xenoton gefällt durch einen lebendigen und gut arrangierten Groove. Obwohl keine klare Melodie zu identifizieren ist, sorgen abwechslungsreiche Arpeggio- und Akkord-Passagen für ein wohliges Gefühl. Zufriedenheit macht sich auch breit, wenn man sich die Equipmentliste anschaut: Hier sorgt kein übergroßer, moderner Maschinenpark für den richtigen Sound, sondern Geschmack und Einfallsreichtum.
"Quasar" von De Noize befindet sich auf Track 10 und ist ein fetziges Stück Dance-Elektronik, das zur Untermalung eines Ballerspieles diente (ich habe nur nicht verstanden, ob es sich um ein Computerspiel oder modernes "Räuber und Gendarm" handelt). Sowohl die Dynamik als auch die düstere Atmosphäre werden hier durch sparsam arrangierte Sequenzersounds vermittelt, die man aber auch gut ohne den "Film" hören kann.
Den hypnotischen Abschluss der ersten CD bildet Mista Funks "Size Doesn't Matter" auf Track 14. Spitze Drum'n Bass Loops und Sequenzerarpeggi treffen auf coole E-Piano-Akkorde mit RnB-Feeling. Augen zu, zurück lehnen und genießen.

CD-2 Track 1: Gleich der erste Track der zweiten CD ist ein Hammer. Irwin Leschets "Lonesome Psycho" überzeugt mit schmutzigem und abwechslungsreichem Groove und interessant abgedrehten Sounds, ohne jedoch in Krach oder unstrukturierte Experimente abzurutschen. Moderne Elektronik ohne Kopfschmerzfaktor und mein Soundfavorit.
Track 3 ist so eine Sache... ein Anspieltipp, ja, aber warum? "The Way you Feel" von Floating Point scheint mir etwas zu eindeutig an Depeche Mode oder Camouflage angelehnt und mit einem Standard-Dance-Groove unterlegt. Auch die Stimme leidet an o.g. Problemen: Sicher eine der schwierigsten Aufgaben im Heimstudio, ebenso wie das Mastering, das den Bassbereich hier leider etwas überbetont und schwammig macht, sodass die Bassdrum wie in einem zu großen Raum klingt. Dennoch mag ich diesen Track nicht skippen, denn die Melodie überzeugt, die Musik fließt, und das Arrangement wirkt sehr professionell, v.a. durch die netten Vocoder-Passagen. Nicht gerade innovativ, aber zumindest sehr gefälliger Dance-Pop.
Clubtauglich gibt sich Track 9 von Ziel 100. Minimal arrangiert (Drums, TB-Bass und Vokalfetzen) donnert hier ein variabler Drumgroove, unterstützt durch diverse Percussioneffekte. Die harten Loops sind vielfach verzwirbelt und bilden das Hauptgerüst - fast wie ein minutenlanges Schlagzeugsolo. Im Wohnzimmer sicher nicht leicht zu verdauen, aber auf der Tanzfläche genial.

Fazit

Beklagte ich bei Vol.I noch den oft fehlenden Mut zu fantasievolleren Klängen, so haben mir die FFGler dieses Mal den Wind aus den Segeln genommen. Nur wenige scheinen noch in den Klauen der Modesounds (Pizza Hut, TB303) und -rhythmen gefangen, die meisten Heimwerkler zeigen, was man aus den Kisten wirklich holen kann: Gute Arrangements, interessante, seltsame und überraschende Klänge mit verzwirbelten und sehr groovigen Drums sorgen dafür, dass man die CDs komplett durchlaufen lässt. Hier und da fehlt mir bei der Länge einzelner Stücke zwar eine Melodie über dem eher minimalen Background, zum Großteil wird dieser Mangel aber durch subtile Arrangement-Ideen und überraschende Wendungen ausgeglichen. Kurz gesagt: Wer hören möchte, was die anderen so treiben, was heutzutage möglich ist, oder wer einfach nur frischer elektronischer Musik lauschen will, für den gibt's nur eines: Kaufen!