Rezension
FFG Vol. I
Die Doppel-CD kommt in einem gelben Cover mit Computergrafik daher und bietet auch Fotos und Informationen über die hier versammelten 28 Homerecording-Künstler. Das sollte für ein breites Spektrum und einen guten Überblick über die Szene reichen... Aber welche Szene ist denn nun gemeint? Nun, so genau läßt sich das nicht festmachen, und das ist auch gut so: Die FFG-CD läßt einfach die "Forumfreaks" zu Wort kommen, ob die nun Rock, Pop, Elektronik, Techno oder Dance machen. Es muß nur etwas mit elektronischen Klangerzeugern zu tun haben. Demgemäß gibt es hier natürlich einige Stimmungssprünge zu vermelden. Wie die meisten derartigen Sampler bietet auch die FFG-CD keinen homogenen Sound, man muß sich die Rosinen selbst herauspicken.
Klangtechnisch muß man den CDs schon mal ein recht hohes Niveau bescheinigen: Was da aus den Heimstudios schallt, ist größtenteils erstaunlich klar, druckvoll und radiotauglich abgemischt. Interessanterweise läßt das so manche der aufgeführten Equipmentlisten keineswegs vermuten, denn auch (oder gerade) die Akteure mit Minimalequipment wissen durch guten Sound zu gefallen.
Viel wichtiger ist natürlich der musikalische Aspekt, und da gerate ich teilweise in einen Zwiespalt: Weite Teile der CDs sind einfach nicht "meine Musik", v.a. wenn es in Richtung Dance geht. Das Four-to-the-Floor-Syndrom tönt aus so manchem Stück und befördert es somit in eine Schublade, an die ich zu hohe Ansprüche habe, um hier fair bewerten zu können. Manche Sachen sind mir da einfach zu phantasielos, v.a. was die verwendeten Sounds anbelangt: Mörderequipment hin oder her, der faithless'sche Pizza Hut hätte nicht schon wieder sein müssen. Der ein oder andere Act scheint sich zum Sklaven der Mode machen zu wollen und bekommt deswegen einen Strafblick. Das muß nicht heißen, daß diese Musik schlecht ist in ihrem Genre. Sie ist nur eben nicht (mehr) originell (dafür aber zumindest tanzbar).
Viel interessanter muten da die etwas gewagteren Klänge an, wie sie sich z.B. auf "The 5th Horse" von Firstep finden. Unterstützt durch weniger steife Electro-Drums tollen abwechselnd knackige Sequenzer-Arpeggi und schleifende 303-Knarzer (manchmal mumpfen die allerdings etwas) durch die Boxen. Konkrete Melodien sucht man zwar vergeblich (wie auf den meisten Stücken aus dem "modernen" Lager), dafür ist der Aufbau aber spannend und abwechslungsreich.
Ebenfalls ein Highlight der ersten CD ist "Green Shine" vom JazZone Project: Eine groovige, D&B-artige Drumprogrammierung wird in überaus relaxte Jazzakkorde eingehüllt und treibt das Stück wunderbar fließend voran, ohne in Monotonie abzudriften.
Noch ein Anspieltip liefert Fant: Der Schweizer Thomas Ott schafft es, mit "Scream" durch ein sehr übersichtliches Arrangement und witzigen Sampler-Einsatz den Hörer bei der Stange zu halten. Warum zucken hier bloß meine Zehen immer so?...
Eine Überraschung findet sich schließlich unter dem Namen Proxenos. Das Stück "Mind Field" ist traditionelle EM in Reinkultur. Komponist Peter Grandl (Marketingleiter des FFG-Sponsors Akai) liefert hier ein Stück ab, das auf der ganzen Linie überzeugt: Interessante Sounds, schöne Melodien, bewegte Rhythmik (nach einem herrlich entspannten Intro) und eine sehr durchsichtige Abmischung machen dieses Werk zu meinem absoluten Favoriten. Wo bleibt Dein Auftritt auf Hidden Treasures, Peter? ;-)
Natürlich wären hier auch noch weitere zu nennen (z.B. daß es auch Vertreter von Hard Rock und Pop mit Gesang gibt), aber vielleicht sollte sich der geneigte Leser auch einfach ein eigenes Bild anhand der MPEG-Beispiele auf der FFG-Seite machen. Die genannten Stücke halte ich eben für besonders erwähnenswert, weil sie nicht langweilig werden und v.a. auch einen kreativen Umgang der Künstler mit ihrem Equipment an den Tag legen.
Was läßt sich nun abschließend sagen? Am besten soviel: Wer elektronisches Homerecording betreibt, sollte sich diese CD auf jeden Fall anhören, die 10 Mark sind alles andere als verschwendet. Man bekommt damit einen Überblick, was in dieser Szene so läuft, vielleicht wird man sogar getröstet oder motiviert oder inspiriert. Meilensteine der elektronischen Musik sind hier freilich nicht zu entdecken, dafür aber so mancher gefällige Heimtüftler, von dem man zu gerne mehr hören würde. Mein Wunsch an FFG und Vol. II: Weiter so und noch einen Hauch mehr Phantasie und Aha-Erlebnisse in Sachen Synthesizersounds! Man darf gespannt sein...