Rezension

The other face

Detlef Keller

1997 CD 2 Tracks 78:14
★★★★☆ 8.1/10 (12 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Frank Korf verfasst und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Die ersten Tage mit dieser CD waren schlimm: Ich konnte in den CD-Player legen, was ich wollte. Wenn ich in den Stunden zuvor Detlef Kellers neuestes Werk, The other Face, gehört hatte, geisterte sofort wieder Face 1 durch meine Gehirnwindungen, sobald der Player aus war.
Naja, so schlimm war's im Grunde genommen auch nicht, denn schließlich ist Face 1, Untertitel Die sanfte Verführung, ein ziemlich geniales Stück. Und es ist der erste der beiden Titel auf der CD.
Nur zwei Titel? Eine kurze CD? Keineswegs! Eine Spielzeit von 78:14 erreichen nicht sonderlich viele Silberlinge. Face 1 kommt auf stolze 40 Minuten und 18 Sekunden, Face 2 bleibt mit 37:14 knapp darunter.

Aber nun zur Musik an sich: Detlef zeigt auf dieser CD gewissermassen sein "anderes Gesicht", die Stücke sind doch anders gestrickt als auf den Ways to the Rainbow, wo kein Titel länger als 12 Minuten war.

Face 1 - 40 Minuten, in denen die Musik Stück für Stück, Schicht für Schicht aufgebaut wird. Angefangen mit ein paar Flächen kommt nach ein paar Minuten eine melodiöse Sequenz dazu, es folgen weitere melodische Elemente, Drums und noch einiges mehr. Dabei bekommt das Stück zunehmend mehr Kraft. Erst nach 26 Minuten schaltet Detlef mal einen Gang zurück, um noch mal Anlauf zu nehmen für den Endspurt. Einfach genial! Ich vermute mal, das Stück ist ein ganz heißer Anwärter für den Titel des Jahres. Keller hatte bei den Wahlen im letzten Jahr ja schon ziemlich abgeräumt.

Face 2 trägt den Untertitel Back to the school. EM-Kenner wissen wohl, um welche Schule es sich handelt und bekommen schon eine Vorahnung davon, was für ein Stil sie in diesem Stück erwartet. Und auch hier wieder zeigt Detlef Keller sein musikalisches Können. Das Stück wird sorgfältig aufgebaut, nach der Hälfte rüstet er dann fast bis auf eine nackte Sequenz ab und setzt nochmal an.
Diese Sequenz, auf der das Stück aufbaut, ist es aber, was mich an dem Titel stört. Ich finde sie sehr aufdringlich, gar nicht "sanft". Das ist in den Teilen des Stückes, wo Detlef so richtig in Hochform ist, nicht so tragisch. Aber die Teile, wo diese Sequenz im Vordergrund steht, gefallen mir nicht so. Das Stück hinterläßt bei mir einen gemischten Eindruck. Es ist aber auf keinen Fall so schlecht (schlecht?), daß man die CD deshalb ernsthaft abwerten müßte.

Insgesamt kann ich diese CD also bedenkenlos empfehlen. Schon wegen des ersten Stückes allein wäre sie ihr Geld wert.