Rezension

Time Code

Code: Indigo

2003 CD 10 Tracks 76
★★★☆☆ 5.8/10 (6 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Wilhelm Lücken verfasst am 7. August 2003 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Code Indigo hat sich neu formiert. Keyboards/Programming: Robert Fox, David Wright, Dave Massey, Gitarre: Andy Lobban, Gesang: Louise Eggerton. Die Musik, die in neunmonatiger Arbeit in den Studios von Fox und Wright entstanden ist, verspricht vom Booklet her ein pompöses Werk zu sein.

Nach dem obligatorischem Sphären-Intro baut sich ein 12-minütiger Eröffnungs-Track auf ... und baut ... und baut ... und baut ... der geduldige Hörer fragt sich, wann denn mal endlich was passiert. Well ... der Song "Zero Hour" ist die englische Antwort auf die mitteleuropäische Chillout-Mania: eine gute Melodie wird gnadenlos in die Länge gezogen - bis es schließlich langweilig wird.
Aber dann ... Track 3... das Titelstück "Time Code" beginnt, und man ahnt gleich in den ersten Sequenzen, da ist mehr drin. Atmosphärische Vocal-Samples schwirren aus dem Hintergrund, softige Gitarren-Licks eröffnen ein fulminantes Meisterstück in Downbeat. Louise Eggerton’s klassische Stimme bleibt zurückhaltend, passt sich hervorragend dem Soundgerüst an, nach fünfeinhalb Minuten folgt ein brachialer Instrumentalteil, der sich gewaschen hat, und jeder Mensch, der was von Musik versteht, wird sagen: "Time Code" gehört zu den Elite-Songs des Jahres.
Was dann folgt kann man getrost mit dem Prädikat "überflüssig" bezeichnen. Track 4, 5, 6, 7, 8 hauen mich nicht vom Hocker, erinnern meist an traditioneller EM, doch ehe ich zum Gähnen ansetze, werde ich im vorletzten Track von Louise Eggerton’s Gesang wieder wachgerüttelt. Die Struktur des Songs ist leicht und locker, vielleicht zu eintönig, aber Fox und Wright produzieren einen hypnotischen Background. Das letzte Stück "Endgames" ist wiederum eine Perle. Ein toller Lounge-Track, bestückt mit Wort-Einblendungen und LaLaLa’s der Sängerin, spannende Synthie-Flächen, schwebender Gitarrensound, Musik zum Genießen!

Fazit: Wie ich schon anfangs erwähnt habe, ist das mehr oder weniger ruhige Album "Time Code" die englische Antwort auf den momentan auf dem europäischen Festland grassierenden Chillout-Hype. Von 10 Tracks sind mindestens 3 ein Genuss!