mono/stereo 
1. teil: die technische seite

alle reden von surround, 5.1, gar 7.1, aber auch heute noch wird häufig ziemlich unbedacht mit den eigentlich mächtigen möglichkeiten von stereo umgegangen. auf vielen musikproduktionen kommt fast alles aus der mitte, oder es gibt nur ganz links, mitte & ganz rechts. andere produktionen glänzen durch unbedachten einsatzt von stereoenhancern, die korrelation ist bedenklich, das gesamtbild zerfällt, druck & durchsetztungsvermögen gehen "vor die hunde". meistens wir die stereopositionierung lieblos gehandhabt, dabei gibt's dieses feature kostenlos...vielleicht gerade desshalb?

bevor nun in vollen zügen panoramisiert wird, gibts einige dinge zu bedenken:

welche frequenzen werden gut geortet?

tiefe frequenzen (bis ca. 200Hz), also vor allem bassdrum & bass, können vom ohr nicht geortet werden, es gibt somit auch keinen grund, sie im stereobild zu verteilen. negativ würde sich bei einer paronamisierung jedoch auswirken, das diese meist sehr energiereichen signale das pegelverhältniss links/rechts arg durcheinanderschütteln (womit eine kleinere gesamtlautstärke erreicht wird), andererseits probleme beim vinylschnitt entstehen.
daher gilt:

bassstarke signale immer in die mitte.

in welchen situationen hört man wirklich stereo?

im club, an der arbeit, vor dem fernseher, beim kochen, auf dem bett?
was viele nicht wissen:
die meisten menschen auf diesem planeten hören fast ausschliesslich auf monogeräten, in der 3. welt wird meistens auf küchenradios musik gehört. diese menschen werden ihre brieftasche vermutlich nicht besonders füllen, angenehmen musikgenuss haben jedoch auch sie verdient.
was noch viel erstaunlicher ist: 
die meisten fernsehsendungen sind mono!
dies hat verschiedene ursachen. 
selbst das professionelle videoformat betacam sp hat nur 2 audiospuren, die nachträglich bearbeitet werden können. auf diese 2 spuren muss nun der sendeton einerseits & ein ton ohne komentarstimme (originalton oder internationaler ton genannt) andererseits aufgespielt werden - kein platzt für stereo.
eine andere ursache ist (vor allem bei aktuellen formaten wie z.b. nachrichtensendungen) zeitmangel (eine stereomischung ist aufwendiger) oder das fehlen von ausgangsmaterial in stereo (schon mal jemanden in stereo sprechen gehört?.

leider wird selbst in situationen, wo stereo gut möglich währe, selten darauf rücksicht genommen. wer in ihrem bekanntenkreis hat beim einrichten des wohnzimmers darauf geachtet? in vielen fällen wird nicht einmal geprüft, ob die poralität der boxen stimmt...
nun, für diese leute geben wir uns auch nicht in erster linie mühe, trotzdem sollte auch unter garstigen umständen das essentielle der musik zu hören sein.
da in clubs & wohnzimmern nur in wenigen fällen wirklich beide stereokanäle gut hörbar sind (viele clubs sind mono, andere haben sehr eigenartige stereoaufstellungen oder nur im zentrum der tanzfläche so was ähnliches wie stereo), sollten die musikalisch wichtigsten signale entweder in der mitte sein oder auch beim hören nur eines kanals wargenommen werden.
daher gilt:

musikalische hauptelemente müssen in jeder situation warnehmbar & somit auf beiden kanälen sein.

gibt es technische einschränkungen in bezug auf die stereophonie bei der tonträgerherstellung?

auf cd ist alles möglich, was sich irgendwie in 16bit/44.1kHz quetschen lässt...also eine ganze menge. abgesehen davon, das auf cd's die räumlichkeit ein wenig leidet (durch die auflösung bedingt), lässt sich in bezug auf stereo & panoramisierung alles machen, auch wirklich unsinniges...

bei vinyl sieht es schon anders aus, hier eine schematik, die vinylschnitt erklärt:

Linker KanalCutterhead topCutterhead left channelleft channalCutterhead right channel



Rechter KanalCutterhead topCutterhead left channelright channelCutterhead right channel



MonoCutterhead topCutterhead left channelMono ModulationCutterhead right channel



StereoCutterhead topCutterhead left channelStereo ModulationCutterhead right channel
 

das signal des rechten kanales wird dabei phasengedreht. bei einer monoaufnahme geht die nadel somit immer nur hin- & her, die linke & die rechte flanke sind immer parallel. 
wenn das linke & das rechte signal nun nicht identisch sind, also eine stereoaufnahme besteht, bewegt sich die nadel auch rauf & runter. dabei ist die horizontale bewegung desto grösser, je stärker der unterschied zwischen den kanälen ist.

bezüglich der tiefe einer aufzeichnung auf vinyl gibts grenzen, zudem wird die rille breiter, was sich in einer kürzeren spieldauer oder einem geringeren durchnittspegel äussert, desweiteren machen die abtastsysteme nicht alles mit. da jedoch die pegelstärksten signale meistens basslastige sind & bässe andererseits nicht ortbar sind, kann man bedenkenlos alles bassige mono mischen, somit ist ein grosser schritt richtung "vinyltauglich" getan. um es wieder & wieder zu sagen:

bassstarke signale immer in die mitte.

was geht verloren bei der monowiedergabe?

gegenphasige signalanteile...nichtkohärente signalanteile...

was ist das? bei der monowiedergabe werden die beiden stereokanäle einfach zusammengezählt,

 l + r = mono.

man könnte meinen, somit sei bei mono einfach alles vorhanden, was auf dem linken & dem rechten kanal auch drauf ist. leider stimmt das nicht, denn es gibt gegenphasige signale. 

gleichphasiges oder kohärentes signal addiert sich bei monophizierung

gegenphasiges oder nichtkohärentes signal subtrahiert sich bei monophizierung

bei einem einzelsignal, das mono ist (z.b. eine bassdrum, die auf einem monokanal ankommt) gibt es (solange kein effekt darauf gegeben wird) keine gegenphasige signalanteile. man kann dieses signal nun auch nach links oder recht pannen, dabei verschiebt sich der pegel pro seitenkanal, die phase bleibt jedoch gleich.
in stereo aufgenommene signale können jedoch gegenphasige signalanteile haben, die sich beim monophizieren auslöschen.
doch wann entstehen gegenphasige signalanteile?

1. zeitliche verschiebung. 
angenommen, das rechte signal wird genau so stark zeitlich verschoben, bis die signalflanken genau umgekehrt sind, wird das signal gegenphasig & existiert in mono nicht mehr. es genügt jedoch schon eine kleine verschiebung & die summe beider kanäle wird kleiner, jedoch nicht gleich null. dabei wirkt sich die phasenverschiebung durch eine zeitverschiebung bei jeder frequenz wieder anders aus, ein sogenannter kammfiltereffekt entsteht. dabei werden kerben in den frequenzgang geschnitten. wird diese sehr kurze zeitverschiebung nun noch moduliert, entsteht ein wohlbekannter effekt: der phaser.
kleine zeitliche verschiebungen zwischen den kanälen sind sehr typisch für "echtes stereo", also mit mindestens 2 mikrophonen aufgenommene musik. dabei erscheint das signal nicht zeitgleich bei den beiden mikrophonen & es entstehen kleine zeitliche unterschiede. dies ist jedoch nicht einfach als fehler anzusehen, den das gehör benutzt genau diese kleinen zeitunterschiede für die ortung. gewisse aufnahmetechniken, z.b. der kunstkopf oder o.r.f.t., wählen einen abstand der mikrophone, der dem abstand der gehöre entspricht, somit entsteht die sogenannte laufzeitstereophonie, bei der ein signal nicht nur aufgrund seines pegels, sondern auch anhand seines zeitlichen versatzes geortet wird. wird nun der abstand der mikrophone vergrössert, werden auch diese zeitunterschiede grösser & das stereobild wird gespreizt. ab einem gewissen punkt erkennt das ohr jedoch keinen zusammenhang mehr zwischen den signalen, die positionierung wird diffus. bei diesen mikrophonierungstechniken sollte man immer wieder mal auf den monoknopf drücken & überprüfen, was in mono  noch alles zu hören ist.
neben dem direkten schall wird von den mikrophonen auch noch raumanteil aufgenommen. diese signalanteile haben sehr unterschiedliche zeitverzögerungen, die sich bei einer monophizierung meistens relativ stark auslöschen, der sound wird dabei trockener & verliert an raumeindruck (nicht nur durch den nun geringeren pegel dieser signale, sondern auch durch das wegfallen der laufzeitunterschiede).
dies kann jedoch bewusst eingesetzt werden. wenn bei einem echten stereosignal die panoramapotentiometer für die beiden kanäle ein wenig in die mitte gedreht werden, kann man damit eine teilweise monophizierung vornehmen. somit kann mit den panoramepotis bei diesen aufnahmen die räumlichkeit einschränkt werden.

2. modulationseffekte
viele modulationseffekte basieren auf zeitverschiebungen. typisch sind dafür chorus, phaser, flanger & gewisse "quasi- oder pseudostereoeffekte", die auf modulierten verzögerungen (delays) basieren. solange dabei der effekt & das originalsignal die gleiche panoramaeinstellung haben, hört man das auslöschen der frequenzen sehr genau. wird das originalsignal & das effektsignal anders positioniert (viele dieser effekte erzeugen mehrere verzögerungen, die verschieden im panorama angeortnet werden & zusammen einstereosignal ergeben), kann das resultat in stereo sehr überzeugend wirken, in mono jedoch komplett wegfallen (einige billige effekte drehen beim effektsignal für einen kanal einfach die phase) oder sehr eigenartig klingen, da nun starke frequenzabhängige auslöschungen & überhöungen entstehen.
bei modulationseffekten empfiehlt es sich daher dringend, zwischendurch zu kontrollieren, wie das alles in mono klingt.
auf tieffrequenten signalen sind diese effekte sehr problematisch. vielmals wird dabei der bassabteil sehr unkonstant, der druck einer produktion geht verloren & das schneiden in vinyl fast unmöglich. modulationseffekte können auf bassigen signalen verwendet werden, dabei sollte man jedoch beim effekt-return die bässe absenken (was sowieso gut ist für eine transparente produktion!).

3. hallgeräte & delays
hallgeräte sind schlussendlich nichts anderes als sehr komplexe multitapdelays, arbeiten also mit zeitverschiebungen & machen alle möglichen phasenschweinereien...je billiger das hallgerät, desto schlimmer siehts meistens aus. andererseits entsteht ein grosser teil des raumeindruckes erst durch verschiedene verzögerungen auf beiden kanälen, das dieser aspekt in mono verloren geht, lässt sich nicht vermeiden.

4. stereoenhancer
stereoenhancer arbeiten nach verschiedenen prinzipien. das einfachste ist dabei, das dem linken kanal der echte phasengedreht beigemischt wird & umgekehrt. damit werden die phasengleichen signale abgesenkt, in mono wirds einfach leiser, in stereo wird alles auseinandergerissen & die signalanteile in der mitte (meistens bass, bassdrum, snaredrum & leadstimme) werden leiser. die besseren stereoenhancer dieser gattung wirken dabei nur auf die mittleren & hohen frequenzen, somit bleibt der bass unangetastet.
eine andere sorte stereoenhancer, z.b. base oder edison, mischen zusätzlich 90 grad phasenverschobene signalanteile dem gegenkanal bei & erschummeln sich somit "laufzeitstereophonie", wirken sich jedoch häufig klanglich ziemlich stark aus.
eine dritte sorte arbeitet mit delays & filter, was in mono meistens komische frequenzabsenkungen & überhöungen bewirkt & in stereo auch nur bei flächigen signalen angenehm wirkt.
stereoenhancer sind ein wahrer  monokiller, der schrecken aller vinylcutter & nur mit sehr viel vorsicht zu benutzen!

5. technische fehler
bei vielen mischpulten gibts dieses knöpfchen "phaseinverse"...
ein grund für dieses knöpfchen sind die unterschiedlichen vorstellungen, welcher pin bei einem xlr-kabel welches signal führen soll, da entstehen häufig phasengedrehte signale. gelegentlich gibts auch im handel kabel, die schlicht & einfach verkehrt herum gelötet wurden, man sollte auch beim selber löten von kabeln keine drogen konsumieren...

wenn ein kanal eines stereosignales phasengedreht ist, wirkt das signal, wie wenn es von hinten käme & verwirrt das gehör, empfindliche hörer bekommen kopfschmerzen & orientierungsprobleme.

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2. teil: der kreative umgang mit dem panoramapoti