beispiele für kompressoreinstellungen

zuerst möchte ich einschränkend erwähnen, das verschiedene kompressoren sehr unterschiedlich arbeiten. während bei einem eine ratio von 3:1 schon ziemlich auffällig ist, passiert bei einem anderen noch kaum etwas. einige geräte haben über 3/4 des regelweges eine sehr schnelle attack & erst danach werden sie "gemütlich", andere sind selbst bei linksanschlag ziemlich lahm.
die beispiele sind deshalb als richtwert oder inspiration zu verstehen & nicht als etwas absolutes. desweiteren gilt: 
je schneller die musik, desto schneller die regelzeiten
je tieffrequenter das signal, desto länger die releasezeit

für den threshold habe ich keinen poti eingezeichnet, da dessen stellung sehr vom level des eingangssignales abhängt.
der makeupgain sollte so eingestellt werden, dass folgende geräte nicht übersteuert werden. wenn das anliegende signal bei deaktiviertem kompressor auch in etwa eine vollaussteuerung des aufnahmegerätes/mischpulteingangs etc. bewirkt, kann so objektiv beurteilt werden, was der kompressor bringt oder allenfalls sogar anrichtet...
doch nun zu den beispielen:

gesangsaufnahme: 

hier geht es darum, möglichst keine übersteuerungen auf dem band / harddiskrecordig zu haben & trotzdem sehr unauffällig zu komprimieren. bei einem sehr dynamischen sänger kann man es mit einer grösseren ratio versuchen. ein nachgeschalteter limiter kann nicht schaden, sollte jedoch nur sehr selten ansprechen.

sprachaufnahme: 

bei diesem setting eht es vor allem darum, die sprache mit einem regelmassigen level aufs aufnahmemedium zu kriegen. der kompressor sollte nicht konstant am arbeiten sein, da die stimme sonst schnell gepresst klingt. gute sprecher haben meist eine sehr kontrollierte dynamik, wenn der sprecher nicht besonders geübt ist, oder eine sehr emotionale performance gefragt ist, dürfte ein nachgeschalteter limiter oder eine höhere ratio gelegentich helfen. 

der explosive rapper:

hier geht darum, einem lahmen rapper mehr "biss" zu geben. ein nachgeschalteter limiter ist jedoch sehr zu empfehlen & der darf ruhig ein bisschen was zu tun haben.

der kompakte chor:    

versuchen sie einmal, anstatt die chorstimmen einzeln zu bearbeiten, alle auf eine subgruppe zu geben, mittels eq die bässe zu beschneiden & oberhalb 4kHz mit einem shelfingfilter die höhen anzuheben. dann gemeinsam durch einen kompressor. je schlechter die backingsänger, desto stärker fahren sie in den kompressor rein...es darf auch mal mehr als 6 dB sein.

subgruppen verdichten: 

kompressoren auf subgruppen sind eine sehr musikalische sache & können helfen, einen kompakten sound zu bekommen.  dieses setting sollten sie jedoch wirklich nur als ausgangslage nehmen. wenn sie z.b. die drums, allenfalls zusammen mit dem bass, auf eine subgruppe geben, können sie sehr schön eine kompakte rhythmsection bilden, die drumsounds wirken dann mehr aus "einen guss" & weniger nach verstreuten einzelsounds. mit kurzer attack & releasetime wird der sound dichter & die räume werden betont, mit mittellanger attack & releasetime (bei der releasetime rumprobieren!) & peak statt rms können sie die attacks betonen (wenn ihre drums z.b. das arrangement zu fest "verstopfen"). versuchen sie einmal, nur die bassdrum, den bass & testweise die snare zusammen zu komprimieren .  sie bekommen damit sehr einfach ein "sattes fundament" (dabei sollte die bassdrum mehr peaklevel haben als der bass).

attacksounds abtrocknen:

der trick ist, die releasetime gerade so lang einzustellen, das kurz vor dem nächsten peak (oder wenn ihr sound ausgeklungen ist) der kompressor nicht mehr absenkt. die attacktime bestimmt, wie lange ihr sound sein soll. das resultat: kürzere sounds mit weniger raumanteil.

hall-pusher:   

das gegenteil. weniger attack, mehr sustan oder raumanteil.

die 80er bassdrum:   

die bassdrum mit knalligem attack & langem ausklang. die attacktime bestimmt, wie lange der "knack" ist. wenn beim erhöhen der attcktime nichts mehr passiert...wieder zurückdrehen & somit genau den punkt suchen, wo der "knack" so richtig "reindonnert". die releasetime so kurz wie möglich einstellen, damit nach dem "knack" möglichst schnell der "bauch" nachkommt. bei sehr kurzer releasetime kann es bei tiefen bassdrums verzerren, dann die releasetime soweit erhöhen bis es nicht mehr verzerrt. ein anschliessender limiter kann helfen, wieder mehr dichte zu bekommen.
funktioniert auch gut auf snares & anderen percussionsinstrumenten, auch auf funky- oder pickinggitarren, slapbass etc. einen versuch wert.

sustain mit attack:      

eine ähnlich einstellung wie das letzte setting, jedoch weniger auffällig. gut z.b. auf leadsounds, bass oder gitarre.

sustain ohne attack:    

mit sehr kurzer attacktime, softknee & etwas längerer release wirkt diese einstellung relativ unauffällig (allenfalls kleinere ratio versuchen) & eignet sich z.b. für schwebende sounds oder z.b. auf raummikro's (& plötzlich steht ihr drum in einem grossen raum!). 

limiter:       

bis hierhin & nicht weiter! ein limiter weiss, wann schluss ist & greift rigoros ein, was aber immer noch besser ist als ein digitales clipping. mit softknee wirkt dieses setting weniger harsch, man muss den threshold dabei jedoch 1-3dB senken. falls bei bassigen signalen verzerrungen zu hören sind, sollten sie die releasetime erhöhen.

de-esser:   

das ziel beim de-esser ist, ihn so einzustellen, das man nichts bemerkt. wenn der sänger lispelt, wahr es zuviel des guten, wenn die s-laute (& bei einigen auch das f) immer noch stechend sind, wahr es zu wenig. ich empfehle, de-esser erst beim mix & nach dem komprimieren zu verwenden, da man bei falscher einstellung eine gesangsaufnahme leicht ruinieren kann.

der bassducker:     

am audioeingang liegt der bass an, am sidechain die bassdrum (welche jedoch zusaätzlich auch noch im mix sein muss). der threshold wird so eingestellt, das der bass bei jedem bassdrumschlag leicht "zusammenzuckt". für die einstellung sollte man unbedingt bass & bassdrum zusammen anhören. dabei stellt man den bassducker so ein, das man ihn gerade nicht warnimmt. das ziel des bassduckers ist es, der bassdrum mehr platz im mix zu geben & trotzdem den bass laut mischen zu können. man bekommt damit ein kräftiges fundament ohne hohe peaks.

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